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am 7. August

Sommer 2020

Petra Tierscherl - Wohin soll die Reise gehen?

Wir alle lieben die Freiheit, alles jederzeit tun zu können, zu verreisen wohin wir wollen. Doch dann kam plötzlich alles anders. Reisen war für längere Zeit nur mit dem Finger auf der Landkarte möglich. Ein Virus vereitelte sämtliche Urlaubspläne und Wochenendausflüge quasi über Nacht. Nun dürfen wir zwar wieder reisen aber die Gefahr danach in Quarantäne gehen zu müssen ist groß.

Wissenschaftler warnen schon seit Jahren vor einer weltweiten Pandemie die, mit großer Wahrscheinlichkeit, von einem Virus ausgehen würde, der von Tieren auf den Menschen übertragbar sein würde. Massentierhaltung, rigorose Abholzung der Regenwälder und immer tieferes Eindringen der Menschen in die letzten Refugien der Wildtiere, haben letztendlich diese Entwicklung begünstigt und ein Virus auf den Weg gebracht, welches uns nun alle in den Stillstand zwingt.

Während der Ausgangsperre kam uns schmerzlich zu Bewusstsein wie sehr wir die Natur, das Gras unter den nackten Füssen, die kühlen Bäche und tiefen Wälder direkt vor unserer Haustüre vermissen. Kein Wunder! So sehr wir unsere Computerbildschirme, Fernsehgeräte und Handys auch lieben, wenn wir nur mehr durch diese Technik mit anderen Menschen und der Natur verbunden sind, merken wir schnell, wie sehr uns die „echte“ und körperlich erfahrbare Umwelt fehlt. So mancher Vorsatz wurde in dieser Zeit geboren: Mehr Bewegung an der frischen Luft, nachhaltigeres und gesünderes Essen, mehr Zeit für die Menschen, die uns wichtig sind und Unterstützung regionaler Betriebe waren plötzlich en vogue. Viele gelobten Besserung und mehr Achtsamkeit im Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen.

Wir Grünen geloben nicht nur Besserung, sondern sind seit Jahrzehnten die Treibende Kraft in Richtung nachhaltigem Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Dazu gehört auch der Schutz der Umwelt, die ich lieber UNSwelt nennen möchte, da es sich nicht um eine fiktive Welt die uns umgibt handelt, sondern um unsere einzige Welt, in der wir nun einmal leben. Dementsprechend möchten wir diese einzigartige UNSwelt auch für die nachfolgenden Generationen erhalten und setzen alles daran dieses Ziel in den Fokus zu stellen.

Sollten wir nun 2020 ganz auf das Reisen verzichten? Nein! Natürlich nicht, die Möglichkeit fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen bietet Chancen auf neue Perspektiven und hilft uns, uns in einer globalisierten Welt besser zurechtzufinden. Was können wir als tun?

Ein Umdenken im Tourismus ist dringend notwendig: Lasst uns also direkt bei den Hoteliers buchen, fahren wir kürzere Strecken gemütlich mit der Bahn und fliegen wir nur in Ferndestinationen, wenn wir mindestens zwei Wochen vor Ort bleiben können. Der Ressourcenverschleiß bei langen Flügen mit kurzem Aufenthalt ist leider enorm und auch wenn All-Inklusive Angebote sehr verführerisch erscheinen, so sind sie doch ein Sargnagel für die kleinen, oft im Familienverband geführten, lokalen Restaurants.

Als eine Alternative könnte auch die gute alte Sommerfrische in Österreich wieder in Mode kommen. Das Sport- und Freizeitangebot ist groß wie nie und die Gefahr, nach dem Urlaub in Quarantäne zu müssen minimal. Als ehemalige Touristikerin setzte ich mich unter anderem auch für die heimische Tourismusindustrie ein. Klasse statt Masse könnte das neue Motto für einen erholsamen, nachhaltigen und unterhaltsamen Urlaub sein. Genießen wir doch die Schönheit Österreichs glasklare Seen, majestätische Berge und die verschiedensten Abenteuer wie Rafting, Flying Fox oder atmen wir durch beim Wandern! Viele Besucher aus dem Ausland kommen genau aus diesen Gründen zu uns.

Vielleicht lohnt es sich 2020 auf stressige Flugreisen und lange Staus zu verzichten und stattdessen einmal wirklich die Seele baumeln zu lassen.