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am 7. August

„In Wien musst' erst sterben, damit sie dich hochleben lassen“ - Ein Hilferuf der Nachtszene!

Adam Lukas - Ein Hilferuf von verwaisten Tanzflächen.

„In Wien musst' erst sterben, damit sie dich hochleben lassen“, sagte der legendäre österreichische Schauspieler Helmut Qualtinger († 57) einmal. Diese zweifelhafte Ehre droht aktuell der international gefeierten Wiener Clubszene. Seit Wochen wird von Veranstalter*innen auf allen Kanälen darüber geklagt, von der Servicestelle „Vienna Club Commission“ gewarnt und in Medien wie der Wiener Zeitung​ darüber berichtet.

„Muss ich denn sterben, um zu leben?“ fragt auch Falco († 48) auf seinem posthum veröffentlichten Track „Out of the Dark“. In einem von COVID-19 geprägten Sommer, stellt sich die Frage, wie es mit unserer Club- und Nachtszene weitergeht. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, sind, nach anfänglichen Schwierigkeiten, die Massnahmen und gesetzlichen Vorgaben im Kultursektor soweit durchgedacht, dass Open-Airs, Theater und Musikdarbietungen durchführbar sind. Vorsichtig aber doch füllen sich die Terminkalender und zaghaft sprießen die Einladungen in diesen Sparten. Einzig für Clubveranstalter*innen und –Betreiber*innen gibt es noch keinen Plan B. Die unterschiedlichen Fonds greifen aufgrund der Eigenständigkeit der kulturellen Nachtwirtschaft nur in seltenen Fällen. Überbrückungszahlungen oder Fixkostenzuschüsse decken nur einen kleinen Teil der monatlichen Ausgaben bei nicht existenten Einnahmen.

Verlierer in der zweiten Reihe dieser Situation sind junge Menschen, die ein Recht auf Erfahrungen haben, die nur in der Jugend gemacht werden können. Diese passieren eben bei Veranstaltungen, in der Anonymität der Clubs. Gerade können wir dabei zusehen, was passiert, wenn jungen Menschen die Möglichkeit dazu genommen wird: sie schaffen sich ihre eigenen Räume. So geschehen am Donaukanal oder aktuell am Karlsplatz. Ihr Trieb zu feiern als eine Art adoleszentes Ritual ist stärker als Verbote. Hinzu kommt der unübersehbare, kulturelle Gewinn einer Gesellschaft durch jene Orte an denen gefeiert und getanzt wird. Hätte es sonst weltbekannte DJ-Acts und Produzenten wie Kruder & Dorfmeister, Camo & Krooked, Möwe und Parov Stelar gegeben? Gehen die Clubs verloren, geht ein gesamter Kulturbereich verloren! Als jemand der beruflich und musikalisch auf den Tanzflächen dieser Stadt sozialisiert wurde, blutet mir das Herz.

Wir brauchen ein eigenes Fördermodell für genau jene Veranstalter*innen und Betreiber*innen, die diesen in so vielen Aspekten wichtigen Bereich der österreichischen Kultur leben und umsetzen. In Margareten gibt es neben Celeste und der Arena Bar noch etliche Einzelunternehmer*innen die eine solche Unterstützung benötigen und verdient hätten. Umso zynischer das „NEIN!“ der SPÖ-Margareten (gemeinsam mit der FPÖ) zur einmaligen Erhöhung des Kulturbudgets in der letzten BV-Sitzung vor dem Sommer, um zumindest auf Bezirksebene die kulturelle Vielfalt in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen. Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Teils der Clubkultur egal ob Veranstalter*in, Clubbetreiber*in, Dj*ane oder Besucher*in.

Der Sommer endet bestimmt und damit die Rücklagen und Geduld der Betroffenen als auch die Möglichkeit unter freiem Himmel zu feiern. Wir brauchen den Mut über kleinliche Parteipolitik hinweg zu handeln und zwar JETZT! Damit weder Helmut Qualtinger noch Falco, zumindest in diesem Bereich, Recht behalten.

Du bist Kulturschaffende/r oder Kulturinteressierte/r in Margareten und hast Anregungen, Wünsche oder auch Kritik für bessere Kulturpolitik im Bezirk? Dann schreibe uns gerne unter: kultur-margareten@gruene.at​ #wirschaffendas